Dienstag, 1. Mai 2012

Über die Zeit nach Obama, Champions League und ein interessantes Klo

So liebe Leute, heute ist ein großer Tag: Ich schreibe wieder einen Blogeintrag! (was für ein Reim…hehe)

Barack Obama habe ich leider nicht gesehen, aber ich war ca. 500m von der Veranstaltung entfernt und habe seine omnipräsente Gegenwart gespürt. Ach ehrlich gesagt, ich weiß auch nicht was die alle haben. Das ist doch auch nur ein Mensch und außerdem waren etliche weitere Präsidenten und Shakira auch da. Sie hat die kolumbianische Nationalhymne gesungen (leider etwas falsch) und wurde danach in den Nachrichten heftig kritisiert. Nachdem Obama wieder abgereist ist, wurde der Skandal seiner Security Guards publik, die sich hier für wenig Geld an den Prostituierten bedient haben. Sehr vorbildlich! Ich denke, dass der Amerika-Gipfel aber auch seine guten Seiten hatte. So konnte die Beziehung zwischen den Ländern gestärkt werden, was sehr wichtig ist (vor allem für Südamerika) und jetzt hat die Stadt Cartagena ein besseres Erscheinungsbild. Wenn selbst der Präsident der Vereinigten Staaten sich hier aufhalten kann ohne umgebracht zu werden, dann spricht das für die Sicherheit im Land und lockt erwartungsweise noch mehr Touristen an.
Ich bin ja wirklich kein großer Fußball-Fan. Aber hier schauen sich sehr viele Kolumbianer die Champions  League an und fiebern ganz begeistert mit. Und wenn es dann sogar ein deutsches Team bis ins Finale schafft, kann das selbst an mir nicht unbemerkt vorüberziehen. In Deutschland wäre mir das wahrscheinlich ziemlich gleich wer den Pokal holt, aber bei mir hat sich als Ausländerin fast schon ein Gefühl des Landesstolzes entwickelt. Und nun kann ich auch die Ausländer in Deutschland verstehen, die es ab und zu mit der Vaterlandsehre übertreiben. Was bleibt einem denn groß vom eigenen Land, wenn man nicht dort wohnt und so klammert man sich eben an alles was irgendwie aus dem Land kommt, selbst an Fußball…ich werde am 19. Mai auf jeden Fall mitfiebern J
Wie das wohl überall auf der Welt so ist, unterhalten sich Frauen gerne übers Essen. Als ich mich Letzt mit einer sehr netten Kolumbianerin darüber unterhielt, musste sie feststellen, dass es in Deutschland weder Kochbananen, noch Yucca gibt. So fragte sie mich ganz entsetzt was wir denn in Deutschland frühstücken würden!? Das Lustige ist, dass ich mich das bei meiner Ankunft in Kolumbien auch gefragt habe, nachdem ich feststellen musste, dass es hier nur weiches Weißbrot zu kaufen gibt.
Am Wochenende gab es wieder eine Putzaktion im Armenviertel. Ich hatte die Verantwortung über einen Sektor und mit meinen ausbaufähigen Spanischkenntnissen, den Kindern, die ihren eigenen Kopf haben und Hilfe, die aber keine Hilfe ist- war das ein kleines Desaster. Um den Wettbewerb fair zu gestalten, sollten die Teams aus der gleichen Anzahl von Kindern bestehen. Das Ziel war es so viele Müllsäcke mit Müll zu sammeln wie es geht und somit zu gewinnen. Das Problem in meinem Sektor: Zwei Teams haben sich zusammengetan (was ja generell für den Teamgeist spricht). Aber sie ließen sich nicht mehr voneinander trennen. Dann klaute auch noch (wohlgemerkt) ein Erwachsener die Müllsäcke von meinen Teams für sein eigenes Team und ich musste nach großem Wasserkonsum ziemlich dringend eine Toilette aufsuchen. Doch leider kaufen sich die Menschen im Armenviertel lieber eine 2 Meter hohe Musikanlage als eine Toilette. So hat mich ein Junge, der unser Projekt besucht, mit zu seiner Tante genommen, die angeblich eine Toilette besitzt. Als sie mich dann aber in ihr Schlafzimmer führte und eine blaue Plastikschale unter dem Schrank hervorzog, wurde mir klar, dass wir das Wort „Toilette“ etwas anders definieren! An dieser Stelle möchte ich die Ausführungen des spannenden Toilettengangs beenden J

Donnerstag, 12. April 2012

Über das kolumbianische Osterfest, die Arbeit und Barack Obama

Und schon wieder ist fast ein Monat vergangen und ich habe ganz vergessen euch Frohe Ostern zu wünschen. Ich hoffe, dass ihr alle eine schöne Osterzeit hattet und den Frühling in Deutschland genießt. Mein Osterfest war dieses Jahr mal ganz anders. Ich war bei einer Familie eingeladen, die ca. 30 km von Cartagena in einem Dorf wohnt. So konnte ich miterleben, wie Kolumbianer Ostern feiern. Wochen zuvor musste ich enttäuscht feststellen, dass es in keinem Supermarkt Ostereierfarbe zu kaufen gab. Die Verkäufer haben mich auch ein bisschen komisch angeschaut, als ich gemeint habe, dass ich damit Eier färben möchte und sie im Garten verstecken will. Also fiel die Ostereiersuche aus und statt buntgefärbten leckeren Ostereiern, gab es Wasserschildkröte zu essen. Es war eine riesen Überwindung und letztendlich habe ich auch nur ein kleines bisschen davon gegessen. Ich glaube mein Fehler war, dass ich mir ca. 3 Minuten vor dem Essen die Landschildkröten im Garten angeschaut habe, somit verging mir dann doch der Appetit. Aber es gab auch andere Köstlichkeiten, wie Fischsuppe (mit vielen Gräten) und „Sancocho“ (eine Suppe, in der alles hineingeworfen wird: Kürbis, Kartoffel, Fleisch, Platano, Yuka und noch etliche weitere Dinge, von denen ich die Namen vergessen habe). Dies wurde dann alles aus der Suppe gefischt und auf zwei riesigen Palmenblättern ausgebreitet, wo man sich dann das nehmen konnte, was man wollte. Ich habe mich so ein bisschen wie ein Dschungelbewohner gefühlt, als ich die Suppe aus einer Schale gegessen habe, die mich sehr stark an eine Kokosnuss erinnert hat. Außerdem gab es frischgepflückte Kokosnüsse und Süßigkeiten, wie flüssige Mangomarmelade, süßer Bohnenbrei und Ananaskompott. Etwas was mich in diesen Tagen auch sehr fasziniert hat und ich von Deutschland in dieser Form so nicht kenne, ist die Gastfreundschaft. Hier stehen die Gäste an oberster Stelle. Obwohl die Häuser nicht sehr groß sind, findet wirklich jeder am Ende des Tages einen Platz zum Schlafen. Und es ist nicht unnatürlich, dass die Hauseigentümer darauf bestehen ihr Ehebett zu nehmen und sie selbst auf dem Boden schlafen! Wie verkrampft sind wir doch manchmal in Deutschland, wenn es darum geht Gäste aufzunehmen! Was ich außerdem krass finde: Zum einen müssen Gäste gar nicht Bescheid sagen, dass sie kommen und wenn sie dann da sind, wird ihnen alles bezahlt. So wurde ich am Ostersonntag zu einem paradiesischen karibischen weißen Sandstrand eingeladen. Eine Woche zuvor war ich in der Nähe schnorcheln und durfte die wunderschöne Unterwasserlandschaft betrachten mit vielen bunten Regenbogenfischen, Fische, die grüne und blaue Leuchtschuppen hatten und riesige Fischschwärme. Ich glaube, dass in Europa generell ein Missverständnis über die Südamerikaner herrscht bzw. über die Kulturen, die ein warmes Klima haben. Dadurch, dass die Menschen so herzlich miteinander umgehen, alles geteilt wird und der Mensch und nicht die Arbeit an erster Stelle steht, ist es völlig selbstverständlich, dass man Freunde zu Aktivitäten einlädt. Es ist schon fast eine Beleidigung, wenn man ihnen danach das Geld gibt. Wenn nun Menschen mit diesem kulturellen Hintergrund nach Europa gehen und sie gefragt werden, ob sie mit ins Kino gehen wollen, gehen sie davon aus, dass sie eingeladen sind (weil sie es nicht anders kennen). Doch wir Europäer kennen ihren kulturellen Hintergrund nicht, sind frustriert und so kommt der Gedanke auf, dass Südamerikaner nur hinterm Geld her sind. Und sie wiederum denken, dass Europäer geizig sind. Natürlich gibt es das auch, keine Frage! Aber oft scheren wir Menschen über „ein und denselben Kamm“ und fragen uns gar nicht, warum sie so handeln, wie sie handeln! Über Ostern habe ich also einiges gelernt…

Was meine Arbeit betrifft und weswegen ich hier bin, kann ich euch nicht viel Neues berichten. Meine Arbeit ist und bleibt dieselbe: Ich bastle sehr viel und putze jeden Tag. Ab und zu darf ich mit ins Armenviertel und die Kinder besuchen gehen. Außerdem bereite ich Spiele für die Kinder vor, die bei uns in die „Kleingruppen“ kommen und mit einer Lehrerin ihre schulischen Leistungen verbessern. Jeden Freitag gebe ich Deutschunterricht, was aber mit der kolumbianischen Pünktlichkeit und Verbindlichkeit etwas schwierig ist. Und über Ostern hatten wir ein spezielles Kinderprogramm, wo ich die Hauptrolle in einem pantomimischen Theaterstück spielen durfte, was mich sehr gefreut hat. So sind meine Freizeitaktivitäten, wie Zirkus, Kino, Theater, Schnorcheln, Inselbesuche, die Innenstadt, Fitnessstudio und die Strände eine gute Abwechslung.
Und über die Sicherheit in Cartagena braucht ihr euch wirklich keine Gedanken zu machen. Natürlich kommt es vor, dass mal etwas geklaut wird, es Drogenhandel gibt und ab und zu Menschen entführt werden. Jedoch bekomme ich davon so gut wie nichts mit. Und alleine schon die Tatsache, dass Barack Obama ab morgen für drei Tage nach Cartagena kommt und wir momentan über 8000 Polizisten haben, spricht für die Sicherheit. Jedoch ist es schon fast ein bisschen übertrieben was sie alles veranstalten: die Innenstadt wird geschlossen, die Busse müssen andere Wege fahren und die Universitäten und Schulen fallen aus wegen dem US-Präsident und den anderen Teilnehmer des Amerika-Gipfels. Da stellt sich die Frage: Dürfen die Kinder in Washington überhaupt zur Schule gehen oder wird damit die Sicherheit von Barack Obama beeinträchtigt? Ok wollen wir mal nicht so böse sein. Nein wirklich: Ich freue mich, dass er kommt. Von der Entfernung her so nah werde ich dem Präsidenten der USA nie wieder sein.

Montag, 19. März 2012

Über die Kleingruppen, das Schwimmen, Tiere und die Eierfrage

So jetzt ist es mal wieder Zeit euch an meinem kolumbianischen Leben teilhaben zu lassen. Meine Arbeit hat sich ein klein bisschen geändert, zumindest an Montagen. Da darf ich ab sofort in der Nachmittagskleingruppe mithelfen. Die Kleingruppen sind dazu da, Kinder zu unterstützen die Schwierigkeiten in der Schule haben oder gar nicht erst zur Schule gehen. Dazu kommt an drei Tagen in der Woche eine ausgebildete Lehrerin in unser Projekt. In der besagten Nachmittagskleingruppe sind acht Jungs (im Alter von 9-11 Jahren), die nicht zur Schule gehen. Der Großteil von ihnen kann weder lesen noch schreiben. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Die Jungs sind wirklich anstrengend. Von ihren Eltern haben sie weder Benehmen, noch Verhaltensregeln oder Verbote kennengelernt und so ist es schwierig mit ihnen voranzukommen, weil ihnen der Respekt und die Motivation fehlen. Die zwei Jungs, die ich betreut habe, haben sich letztendlich einen Wettstreit geliefert, wer ekliger ist. Der eine hat seinen Naseninhalt gegessen, der andere seinen Ohrenschmalz! Wie ihr euch vorstellen könnt, fand ich das sehr appetitlich…

Mittlerweile habe ich endlich angefangen einmal in der Woche kostenlosen Deutschunterricht zu geben. Meine Gruppe besteht aus 2-3 jungen kolumbianischen Erwachsenen. Ich bin ein bisschen stolz auf mich, dass ich meine Muttersprache an spanischsprechende Personen vermitteln kann, obwohl ich deren Sprache selbst erst seit 6 Monaten spreche.

Dann musste ich mit Schrecken feststellen, dass der Großteil der Kolumbianer nicht schwimmen kann bzw. das was sie schwimmen nennen besteht aus hektischen Bewegungen mit Armen und Beinen und das ist meist eine sehr nasse Angelegenheit für die Personen, die sich in der Nähe befinden. So durfte ich letzt ein Schwimmbad in einem Appartement benutzen. Das „tiefe Becken“ war 1,30m tief. Meine Leiterin (32 Jahre alt) hat mich gebeten ihr Brustschwimmen beizubringen. Das war gar nicht so einfach zu erklären, vor allem weil sie mit ihrem Oberkörper immer wieder unterging. Sie überlegt sich einen Schwimmkurs besuchen zu gehen! In Deutschland wird man als Elternteil ja schon schief angesehen, wenn das Kind mit 7 Jahren noch nicht schwimmen kann…

Dann habe ich Bekanntschaft gemacht mit verschiedenen Tieren. Vor allem nachdem der Kammerjäger bei uns war und ich mir dachte: „Wenn selbst meine kolumbianische Leiterin mit einem Mundschutz herumläuft, sollte ich mir Gedanken machen!“ Am nächsten Morgen lagen dann drei tote Kakerlaken in der Küche, die haben mich jedoch nicht davon abgehalten zu frühstücken. Auch die kleinen Babykakerlaken im Besteckkasten stören mich kaum noch. Den Tag darauf fand ich zwei Kakerlaken in der Dusche und am dritten Tag darauf eine im Jungsklo. Irgendwie haben wir vergessen die letzte Kakerlake wegzuräumen und so lag sie am vierten Tag in unserem Hof und ich wäre fast hineingetreten. Dann schwirren hier diverse schwarze Riesenschmetterlinge herum, deren Spannweite größer als meine Handfläche ist. Was sie genau in unserer Dusche oder in meiner Schublade suchen, bleibt mir ein Rätsel. Den nächsten Absatz sollten die zartbesaiteten Tierliebhaber unter euch besser überspringen. Es geht um die Moskitos, die ich mit allen Mitteln bekämpfe. Ich habe mir einen Schläger gekauft, der aussieht wie ein Tennisschläger. Durch die Drähte läuft jedoch Strom und wenn man eine Moskito erwischt, dann wird sie gegrillt und fällt tot zu Boden. Das ist mein neues Hobby. Vor allem, wenn ich mal frustriert bin, dann töte ich ein paar Moskitos und die Welt sieht gleich schon ganz anders aus bzw. hört sich anders an: kein Schwirren mehr!

Und zuletzt will ich euch über die „Eierfrage“ aufklären und bitte um rege Beteiligung bei der Beantwortung: „Gehören Eier in den Kühlschrank?“ Ich würde die Frage mit JA beantworten. Doch ist mir aufgefallen, das unsere Eier bei ca. 27 Grad Küchentemperatur bisher NICHT im Kühlschrank standen. Durch meine Überredungskunst stehen sie jetzt im Kühlschrank, jedoch gab es deswegen schon eine kleine Auseinandersetzung. Was meint ihr dazu? Wo gehören die Eier hin? Ich freue mich auch über Antworten, die per Post gesendet werden J

Sonntag, 26. Februar 2012

Über den Kontrast von Arm und Reich

So jetzt wird es mal wieder Zeit, dass ich euch schreibe. Ich bin nun schon ein halbes Jahr in Kolumbien. Die schlechte Nachricht: Ich bin nur noch ein halbes Jahr hier! Die gute Nachricht: In einem halben Jahr komme ich schon wieder! Ich freue mich schon euch wiederzusehen, deutsches Brot zu essen, Sprudelwasser zu trinken, zu einem Friseur zu gehen (den kolumbianischen Friseuren vertraue ich hier nicht), Klopapier in der Toilette runterzuspülen, ein Tag ohne Moskitos und Kakerlaken, in meinem Einzelzimmer in einem  bequemen Bett zu schlafen und vor allem einmal durch die Straßen zu laufen, ohne dass die Männer mir Beachtung schenken. Aber genauso werde ich auch einige Sachen vermissen, wie z.B. die Möglichkeit jeden Tag ans Meer zu gehen und dort einen wunderschönen Sonnenuntergang zu beobachten, die Wärme, die vielen leckeren Früchte und Fruchtsäfte, die die Hilfsbereitschaft, Herzlichkeit und Gelassenheit der Kolumbianer, die Musik und die lieben Menschen, die ich bisher kennenlernen durfte. Und vor allem, dass an jedem Tag etwas Neues und Unerwartetes geschieht.

So waren wir Letzt im Armenviertel und ich durfte Zeit mit den Kindern verbringen. Sie wollten Seilspringen spielen. Nach einer Weile kamen sie mit einem langen mürben harten Stromkabel an, das sie sich beim Springen teilweise absichtlich gegen die nackten Füße schlugen. Als ich dann das schwere Kabel schwingen durfte, hat die mürbe Isolation meine Handinnenflächen aufgerieben, was ein zwar nicht so schlimmes, aber etwas blutiges Ende nahm. Kurz darauf wurde mir ein Leguan Schwanz präsentiert, den Leguan ohne Schwanz durfte ich mir dann auch anschauen! An diesem Tag ist mir auch ein kleiner Junge begegnet, der eine Taube gefangen hatte und ihren Kopf hin- und her bog. Ich konnte mir das kaum mitansehen und bat ihn das Tier freizulassen. Er antwortete nur: „Das ist mein Abendessen!“
Ich habe mich schon an solche Situationen gewöhnt. Auch, dass die Mädchen verlaust sind und mit mir „Stille Post“ spielen wollen, ist nichts Ungewöhnliches mehr oder mit ihren verschwitzten und dreckigen Händen meine Haare flechten. Man sagt ja immer, dass solche Dinge einen später mal weiterhelfen werden. Bei was mir das genau helfen wird, habe ich noch nicht herausgefunden. Aber ich hoffe, dass das alles einen Sinn hat, auch wenn es nur ist, dass sich die Kids in diesem Moment gefreut haben.

Im Kontrast zu dieser Welt des Armenviertels, bekomme ich auch immer mal wieder die Welt des Reichtums zu spüren. So durften wir (2 befreundete Freiwillige und ich) gestern -dank einiger Beziehungen- an einem Benefizkonzert teilnehmen. Wir wussten nur, dass es auf einem Schiff stattfinden würde; dass es auf einem riesigen Kreuzfahrtdampfer war, hat uns aber keiner gesagt! Wir wurden von der Crew persönlich begrüßt und wurden durch endlos lange Gänge in einen akklimatisierten Raum geführt, das sowohl über eine Sternendecke, als auch über einen Buttler verfügte, der um unser Wohl besorgt war. Die erste halbe Stunde hatten wir ein Dauergrinsen auf unseren Gesichtern, weil wir so überfordert waren von dem ganzen Luxus, der Ausstattung und dem Ambiente. Der Abend war wunderschön und ich weiß jetzt endlich wie es auf dem „Traumschiff“ aussieht, das mir aus Kindertagen aus dem Fernseher in Erinnerung geblieben ist und ich damals mehr oder weniger gezwungen war es jeden Sonntag mit meinen Eltern anzuschauen. Nur die Torten mit den Wunderkerzen haben gefehlt! Später sind wir dann durch eine Anlage zurückgelaufen, wo uns ein Reh verfolgt hat. Dort durften wir uns rosafarbene Flamingos und Papageie anschauen. Natürlich haben die Kakerlake und die Ratte nicht gefehlt!

Diese krassen Kontraste von Arm und Reich, die ich hier im extremen Maße hautnah miterlebe, geben mir zu denken. Wenn 20 Meter vor einem riesigen Shoppingcenter ein Mann ohne Bein auf dem dreckigen Boden sitzt und um sein Lebensunterhalt bettelt oder Kinder in unser Projekt kommen, die zuhause manchmal kein Essen bekommen, dann zeigt mir das auf der einen Seite wie gut es uns doch eigentlich geht und wie undankbar wir trotzdem sind! Und auf der anderen Seite frage ich mich was man an all dem ändern könnte. Doch ich denke Veränderung muss in jedem Einzelnen anfangen und jeden Tag aufs Neue anfangen.

Sonntag, 29. Januar 2012

Über meinen Urlaub und meinen Geburtstag

Jetzt habe ich schon eine ganze Weile nichts mehr von mir hören lassen. Aber ich lebe noch und mir geht es gut. Ich hoffe ihr seid alle gut ins Neue Jahr gekommen! Jetzt will ich euch ein wenig von meinen letzten Wochen berichten.

Vom 17. Dezember bis zum 9. Januar hatte ich Urlaub. Mit 5 anderen deutschen Freiwilligen meines Projektes bin ich durch Kolumbien gereist und ich muss schon sagen in den drei Wochen haben wir richtig viel erlebt. Wir haben in etlichen Hostels geschlafen, die mal gut, mal weniger gut waren, sind mit Bussen durch die Gegend gereist und haben viele interessante, aber auch schräge Leute kennengelernt. Wir waren zuerst in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Dort war es für unsere „cartagenischen Verhältnisse“ (28 Grad nachts) total kalt und ich habe bei ca. 13 Grad nachts mit 3 Decken und einem Pulli schlafen müssen und habe immer noch gefroren. Es war leider nicht nur kalt, sondern auch verregnet und ehrlich gesagt, finde ich Bogota nicht sehr schön. Den „Monserrate“, einen Berg von dem aus man Überblick über die halbe Stadt hat, sollte man mal gesehen haben. Sonst gibt es noch einige Museen, die Innenstadt und Märkte, aber das war es dann auch schon und so war ich froh, dass wir nach 3 Tagen am 20. Dezember nach San Gil weitergereist sind. Diese warme Stadt mit Mittelmeerfeeling hat uns allen sehr gut gefallen. Dort sind wir zu einen Wasserfall gelaufen, haben eine Höhlenwanderung gemacht, bei der das Wasser teilweise so hoch stand, dass man unter den Felsspalten hindurchtauchen musste, einen Tag lang haben wir uns Mountainbikes ausgeliehen und sind damit einen Canyon entlanggefahren und wir waren zweimal in Flüssen irgendwo in der Pampa baden. In San Gil haben wir auch Weihnachten verbracht und es ist nicht einfach Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen, wenn es draußen 30 Grad hat und man in kurzer Hose und Top am Pool sitzt und sich fragt, wo denn der Schnee bleibt! Nachdem wir mit unseren Familien geskypt hatten, standen Larissa und ich im Zimmer; unser Gespräch verlief folgendermaßen: „Mir ist langweilig? Was können wir machen?“ „Bungeejumping?“ „Ok!“. Eine Stunde später standen wir dann auf dem wackeligen Turm über einem Fluss und nach großer Überwindung haben wir den Sprung tatsächlich gewagt. Das Adrenalin schoss uns nur so durch die Adern und ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich an den freien Fall denke. Abends haben wir uns was Leckeres in einem Restaurant gegönnt. Dieses Weihnachten werde ich auf jeden Fall nicht so schnell vergessen. Am 26. Dezember sind wir dann weiter nach Salento. Auch dieses kleines Städtchen ist wunderschön. Dort gab es im Palmental einen Pferderitt zu einer Kolibrifarm. Außerdem haben wir eine Kaffeefinka besucht, dort hat uns ein alter Kolumbianer (der hat genauso ausgesehen, wie man sich die alten Farmer vorstellt) erklärt wie Kaffee hergestellt wird. Sehr interessant! Am 29. Dezember sind wir nach Manizales weitergereist, aber dort fanden wir es so hässlich, dass wir dort auf gar keinen Fall das Neue Jahr beginnen wollten und gleich am nächsten Tag schon wieder nach Medellin weitergefahren sind. Dort haben wir 4 Nächte in einem Hostel verbracht und Silvester gefeiert.  Es gab eine Party im Hostel mit etwas merkwürdigen Leuten. Mehr brauche ich glaub nicht zu sagen. Die restlichen Tage bis zum 6. Januar haben wir bei zwei weiteren Freiwilligen in Medellin verbracht. Wir konnten ihre Arbeit kennenlernen, was sehr interessant war. Zum einen arbeiten sie mit jungen Müttern zusammen, es gibt aber auch ein Haus mit Jungs, deren Eltern sich nicht um sie kümmern können. Mit den Jungs waren wir einen Tag am See und haben ganz rangermäßig mitten im Wald gekocht. Wir haben uns Medellin angeschaut, waren abends auf einem Weihnachtsmarkt, der übertrieben viele Lichter hatte, wurden von den Projektleitern zu einer richtig leckeren Lasagne eingeladen, haben uns ein „Pueblito“ angeschaut (ein nachgebautes Dorf, so wie es früher ausgesehen hat) und nicht zu vergessen: wir waren Paragliding über der riesigen Stadt. Total schön! Danach ging es nach Santa Marta, eine sonnige Stadt an der Küste (4 Stunden von Cartagena entfernt). Dort haben wir den Urlaub am Strand mit Sonnenuntergängen ausklingen lassen. Im Allgemeinen kann ich sagen: unser Urlaub war sehr abenteuerlich -nicht zu vergessen die Kakerlake, die mir in Medellin in die Hose gekrabbelt ist- wir hatten eine gute Gemeinschaft, viel Spaß miteinander und vor allem konnten wir die Vielfalt von Kolumbiens Natur sehen.

In meine gewohnte Umgebung zurückzukommen und den bunten Bastelalltag wieder beginnen zu lassen, ist mir nach den ganzen Abenteuern nicht ganz so leicht gefallen. Aber deshalb bin ich ja schließlich in Kolumbien! Und ich bin froh wieder in Cartagena zu sein. Von allen Städten, die ich bereits in Kolumbien gesehen habe, gefällt mir Cartagena am besten und ich weiß es jetzt noch mehr zu schätzen, dass ich so eine schöne Stadt erwischt habe.

Dann möchte ich euch von meinem Geburtstag erzählen. Erst mal: Vielen lieben Dank für die vielen Geburtstagswünsche! Das hat mich sehr gefreut und erinnert mich, dass es auf der anderen Seite der Welt Menschen gibt, die auf mich warten. An diesem Tag wurde ich wie eine Prinzessin behandelt. Eigentlich hat der Morgen ganz normal angefangen: aufstehen, fertig machen, essen, putzen…dann klingelte es an der Haustür und unser Finanzexperte kam mit seiner ganzen Familie (inklusive Hund) um mir ein Ständchen zu singen und das um halb 8 morgens! Das war schon mal die erste Überraschung. Dann habe ich den Tag frei bekommen (bis auf ein Treffen, das aber nur ein und halb Stunden gedauert hat), war ein bisschen im Internet, bekam einen Anruf von meinen Leitern aus Frankreich- die ich leider noch nicht persönlich kennenlernen konnte- und die haben mir ein Geburtstagslied auf drei verschiedenen Sprachen gesungen und mittags ging es dann richtig los! Mein kolumbianisches Lieblingsessen wurde extra für mich gekocht: Kokosreis, frittierter Fisch, Patacón und Salat. Einfach nur köstlich! Abschließend gab es zwei Torten (Schokolade und Schokolade Arequipe). Zwei deutsche Freiwillige aus einem anderen Projekt kamen mich besuchen und nach dem Essen hat jeder gesagt, was er an mir schätzt und mag! Geburtstagsgeschenke gab es natürlich auch: einen Gutschein für 2 Salsastunden, ein Strandtuch und Geld. Danach ging es mit meinen Freunden, mit denen ich im Urlaub war, an den Strand in Boca Grande. Für mich, die im Januar Geburtstag hat, ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen! Momentan weht an der Küste ein heftiger Wind und so gab es richtig hohe Wellen, den Sonnenuntergang haben wir uns auf dem Rückweg in die Stadt angeschaut. Dort haben wir uns in einer Saftbar leckere Getränke gegönnt. Den Tag haben wir dann auf der Stadtmauer mit Blick aufs Meer unter Sternenhimmel ausklingen lassen und spätabends bin ich dann erschöpft, aber zufrieden in mein Bett gefallen.

Was gibt’s sonst noch Neues: Ich werde das Fitnessstudio wechseln, vor einigen Tagen war eine große Kakerlake in meinem Zimmer und dank der Kinder aus dem Armenviertel weiß ich jetzt wie ein Leguan ohne Schwanz aussieht! Das Tier hat mir wirklich leidgetan. Außerdem kommt mich in der nächsten Woche eine Freundin aus Deutschland besuchen, darauf freue ich mich schon riesig und in zwei Wochen ist schon das Zwischenseminar meiner Organisation. Also gibt es wieder viel zu tun in nächster Zeit!

Dienstag, 13. Dezember 2011

Von Läusen, Mathematik, dem Wasch-, Bastel- & Saubermachtag

Hallo ihr Lieben. Ja ich merke es selbst: meine Blogeinträge werden immer weniger! Aber das heißt nicht, dass es mir schlecht geht oder so. Nein ganz im Gegenteil: Das liegt daran, dass ich mich schon richtig in meine neue Welt eingelebt habe! Aber das soll natürlich keine Ausrede sein und so möchte ich euch jetzt einige Erlebnisse mitteilen.
Erst mal möchte ich mich bei meiner Familie bedanken. Gestern ist das 2. Packet angekommen! Da hatte ich ein fettes Grinsen auf dem Gesicht als ich die Schokolade und die vielen anderen leckeren Sachen gesehen habe! Ich freue mich schon auf das nächste Packet.
Dann ist mir vor zwei Tagen mein Fenster aus dem Fensterrahmen gefallen. Man muss dazu sagen, dass ich im ersten Stock schlafe und ich direkt neben meinem Bett ein Schiebefenster habe und irgendwie habe ich beim Aufmachen gegen das eine Fenster gedrückt und es ist aus der Halterung gerutscht und mit einem lauten Schlag unten aufgekommen. Die Regenzeit ist noch nicht ganz vorbei und wenn es stark regnet, dann kann es auf mein Bett regnen! Das ist natürlich nicht so schön, aber jetzt weiß ich wenigstens was ich mir zu Weinachten wünsche: ein neues Fenster.
Ein- bis zweimal im Jahr machen wir einen „Waschtag“ mit den Kindern. Da dürfen sie kommen, wir machen ihre Ohren, Finger- und Fußnägel sauber, waschen ihre Füße und wenn es nötig ist auch die Haare. Ich war dafür zuständig die Fingernägel und Ohren sauberzumachen. An diesen Tagen ist mir zum ersten Mal -nach über 2 Monaten- aufgefallen, dass die Mädchen Läuse haben! Aber nicht nur ein paar Läuse, sondern richtig viele! Das mich das erst mal Überwindung gekostet hat, ist klar, aber mittlerweile ist meine Ekelgrenze soweit gesunken, dass ich es nicht mehr ganz so schlimm finde und außerdem ist es ja für eine gute Sache. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass sich die Kinder danach richtig schön gefühlt haben und das ist die Hauptsache! Die meisten von ihnen haben zuhause kein fließend Wasser, weder eine Dusche, noch eine Toilette und die Eltern achten auch nicht gerade auf Sauberkeit und Hygiene. So war es ganz gut, dass wir diesen Tag gemacht haben!
Vor einigen Wochen hatten wir in einer Straße im Armenviertel einen Müllsammelvormittag. Dazu wurden die Kids in mehrere Gruppen aufgeteilt. Die Aufgabe war einfach: „Welche Gruppe am meisten Müll sammelt, gewinnt!“ Freiwillig würde dort nämlich niemand aufräumen. Das Schlimme ist einfach, dass der Müll direkt aus der Haustür geworfen wird und niemanden stört. Wenn man daraus jedoch einen Wettbewerb macht und es am Ende Süßigkeiten gibt, dann wird fleißig mitgeholfen. Ich durfte sogar alleine eine Gruppe mit ca. 15 Kindern übernehmen. Die kleinen Jungs waren meist einfach nur glücklich, wenn sie eine Mülltüte in der Hand hatten und damit herumgerannt sind. Ich habe ihnen dann versucht zu erklären was Müll eigentlich ist, denn nicht nur Plastik, sondern auch Holzstücke, Blätter und Gras wurden eingesammelt. Die großen Kids dagegen waren ganz „schlau“ und haben vor allem die großen Plastikflaschen in die Säcke gestopft, damit die Tüten schneller voll wurden! Meine Gruppe hat an einem Abhang aufgeräumt und ich fand es richtig gefährlich wie die Kids barfuß auf irgendwelchen morschen Ästen herumgeturnt sind um mit ihren bloßen Händen den verschimmelten Müll, der schon seit Jahren vor sich hingammelt, einzusammeln. Das nenn ich mal vollen Körpereinsatz! Vor allem die kleinen Kinder stecken sich danach öfters mal ihre Hand wieder in den Mund. Ich versuche über solche Sachen dann nicht zu viel nachzudenken. Letztendlich hatten wir eine super Gemeinschaft, eine Menge Spaß, die Kinder hatten eine Aufgabe und haben nicht ihre Zeit mit Nichtstun verbracht und zudem wurde meine Gruppe zweiter Platz. Außerdem kam in dieser kurzen Zeit eine Menge Müll zusammen. Jedoch muss eine Veränderung in den Köpfen geschehen, und es muss generell mehr auf Sauberkeit geachtet werden. Zwei Wochen später, als ich erneut durch diese Straße gelaufen bin, hat man von der Müllsammelaktion nämlich leider nicht mehr so viel gesehen!
Dann war ich Letzt mit meiner Leiterin im Armenviertel, dort gehen wir wöchentlich die Familien besuchen, erkundigen uns wie es ihnen geht und mit den Kindern, die neu in unserem Projekt sind, füllen wir Fragebögen aus. Man muss erwähnen, dass die Hütten so dicht aneinander gebaut sind, dass es keine Privatsphäre gibt, die Türen sind meist offen und jeder kennt jeden. Als wir dann mit einem Mädchen den Fragebogen ausgefüllt haben, kamen ca. 10 Kinder aus derselben Straße ungefragt in die Wohnung, haben sich dazugesetzt, gespielt und waren laut. Und es wurden immer mehr Kinder! Meine Leiterin hat mir dann zu verstehen gegeben, dass ich doch bitte mit ihnen auf die Straße gehen und sie beschäftigen soll. Also bin ich vor die Tür mit 20 Kindern, deren Erziehung so einiges zu wünschen übrig lässt. Anfangs saßen wir auf einer Terrasse, nachdem sich dann aber zu viele Kinder um mich herumgescharrt hatten, mir meine Haare flechten wollten und ich dann gemerkt habe, dass auf mir zwei Läuse herumgekrabbelt sind, bin ich aufgestanden und habe ich versucht einige Spiele mit ihnen zu spielen. Die kleinen Jungs haben versucht mich mit ihren Turnkunststücken zu beeindrucken und die Mädchen wollten Klatschspiele mit mir spielen. Es ist schwierig, denn die Kinder sind sehr besitzergreifend und eifersüchtig und ich habe eben mal nur zwei Hände! Aber die Atmosphäre war wirklich schön und am Ende haben wir uns alle an den Händen gehalten und Ringelreihe getanzt. Die gesamte Straße hat zugeschaut wie die große, weiße Frau aus Europa mit den kleinen, braunen Kindern aus Kolumbien getanzt hat. Das war ein unvergesslicher Nachmittag für mich und ich habe das Gefühl, dass die Kinder mich mittlerweile richtig lieb gewonnen haben. Ich werde öfters gefragt, wann ich denn wieder zu ihnen zum Spielen komme.
Wenn ich so drüber nachdenke hatten wir die letzten Wochen richtig viele Aktionen mit den Kindern. Dazu gehört auch das das Basteln der Weihnachtskarten. Innerhalb von drei Tagen waren 80 Kinder in unserem Haus und jeder von ihnen hat eine Karte gebastelt. Da ich für die Dekoration zuständig bin, durfte ich diese Karten vorbereiten. Was für eine Freude und was für eine Arbeit! Und nicht nur die Karten, sondern auch das ganze Drum und Dran, wie Weihnachtsbäume, Sterne und Schneemänner. Am ersten Vormittag hatten wir die Station mit den verschiedenen Dekosachen noch im selben Raum, wo die Kinder auch gebastelt haben. Jedoch sind die Kinder -insbesondere die Jungs- mehrmals gekommen und haben einfach alles- wirklich alles- was sie in die Hände bekommen haben auf die Karte geklebt. Einfach nur damit sie mehr hatten als die anderen! Ob es dann schön ausgesehen hat oder nicht hat dann erst mal keine Rolle gespielt. Aber aus solchen Erfahrungen lernt man und so haben wir die anderen fünf Male einen anderen Raum verwendet und alles genauestens abgezählt und so hat es auch ganz gut geklappt. Was ich wirklich sehr süß fand, war ein Junge, der auf seiner Karte folgendes stehen hatte: „Tia Chulia te quiero“ (Julia ich liebe dich). Doch die Karte war nicht für mich, sondern für seine Mutter!
Da weder meine Leiterin, noch meine Zimmernachbarin in Mathematik sonderlich begabt sind, unser Projekt jedoch Hausaufgabenhilfe anbietet, bin ich dann sozusagen „in die Bresche gesprungen“ und durfte jetzt schon zweimal Hausaufgabennachhilfe in Mathematik geben! Dafür, dass ich noch nicht einmal weiß was Plus und Minus auf Spanisch heißt, hat Wurzel- und Bruchrechnung eigentlich ganz gut geklappt.
So jetzt habt ihr einen kleinen Einblick in mein Leben bekommen, jedoch fehlen etliche Erlebnisse. Jeden Tag erlebe ich so viel, dass manchmal alles wie in einem Traum durcheinander gerät und es kommt mir vor als ob ich hier schon ewig wäre. Ich wünsche euch allen eine wunderschöne Weihnachtszeit und eine guten Rutsch ins Neue Jahr. Ich werde am Samstag mit zwei weiteren Freiwilligen aus Cartagena (Anka und Larissa) für drei Wochen in den Urlaub fliegen und wir werden uns mit anderen Freiwilligen treffen. Die Erlaubnis für den Amazonas haben wir leider nicht bekommen, aber dafür werden wir Bogota, Medellín und die Kaffezone bereisen. Ich bin gespannt was das neue Jahr mit sich bringt!
PS: Ich würde mich über Post im neuen Jahr freuen!

Donnerstag, 17. November 2011

Von der politischen Lage, Schimmel, Tayrona Park und einem leckeren Bonbon

Ich merke gar nicht wie die Zeit vergeht! Bald haben wir schon wieder Weihnachten. Da es so warm ist, kommt bei mir gar keine Weihnachtsstimmung auf, obwohl es massenweise Weihnachtsdekoration zu kaufen gibt und in vielen Häusern schon die Lichterketten brennen. Über Weihnachten und Silvester habe ich Urlaub und mit Anka und Larissa (2 deutschen Freiwilligen) habe ich diese drei Wochen bereits verplant. Wir wollen mit dem Bus nach Bogota reisen, auf dem Weg dorthin die Kaffeezone besuchen, uns die Hauptstadt anschauen und am 1. Januar dann in den Amazonas fliegen. Wir haben schon unsere Flüge gebucht und eigentlich hört sich das auch alles schön und gut an, doch vor 2 Wochen wurde Alfonso Cano, der Anführer der kolumbianischen FARC-Guerilla, getötet! Und einige Leiter sind der Meinung, dass es besser wäre nicht groß durchs Land zu reisen, weil es Vergeltungsanschläge geben könnte! Ich persönlich merke (hier in Cartagena) keine Veränderungen aufgrund der politischen Situation! Momentan ist das alles ein Hin und Her und wie es aussieht brauchen wir nun eine schriftliche Bescheinigung vom deutschen Konsulat in Bogota, dass sie für uns die volle Verantwortung übernehmen. Ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass es so eine Bescheinigung gibt! Uns bleibt ein Monat Zeit um zu hoffen, dass sich noch irgendetwas ändert! Wie ihr euch vorstellen könnt, habe ich  nämlich wirklich keine Lust Weihnachten und  Silvester alleine in Cartagena zu verbringen, wenn es so eine schöne Alternative gibt!

Dann will ich euch von einer Begegnung erzählen mit einem „unerwünschten Besucher“: dem Schimmel! Mir ist schon vor ein paar Wochen aufgefallen, dass meine Kappe angeschimmelt war. Ich habe mir dabei nicht viel gedacht, aber als ich dann Letzt den Schrank aufgeräumt habe, kam ich aus dem „Staunen“ (im negativen Sinne) nicht mehr heraus: Der Schrank und die Hälfte meiner Kleidung waren angeschimmelt! Überall weiße Schimmelflecken! Also dachte ich mir, dass ich die Sachen saubermache und nicht wieder zurück in den angeschimmelten Schrank lege, sondern stattdessen in meinen Koffer packe. Doch als ich dann meinen Koffer öffnete (aus dem ein noch üblerer Gestank strömte), wurde mir klar, dass der Schimmel auch nicht vor deutschen Koffern Halt macht! Ich will euch jetzt nicht den Appetit verderben, aber im Koffer war der Schimmel sogar grün! Ich war von dem Ganzen nicht gerade begeistert, habe mir ein Tuch vor die Nase und das Gesicht gebunden (weil es wirklich nicht gut gerochen hat) und meinen freien Samstagvormittag dazu genutzt ganze drei Stunden lang Wasser über unseren Gasherd heiß zu machen (unsere Waschmaschine wäscht nämlich nur kalt), die Sachen darin abzukochen, zu schrubben und anschließend in die Sonne zu hängen. Meine Leiterin hat mir ein Mittel gegeben, das ich mit ins Wasser gemischt habe. Leider habe ich zu spät gemerkt, dass darin Chlor enthalten war und Chlor bleicht ja bekanntlich Farben aus! Aber was soll man machen? Der Schimmel kann ja nichts dafür, dass er existiert und sich unnötig darüber aufregen, bringt einen auch nicht weiter. Immerhin habe ich die Hoffnung, dass sich das in 2 Monaten ändert, denn dann ist die Regenzeit vorbei und die hohe Luftfeuchtigkeit wird zurückgehen und mit ihr der Schimmel!

Dann hatte ich 5 Tage Urlaub, weil Cartagena 200 Jahre der Unabhängigkeit gefeiert hat und wenn Kolumbianer feiern, dann feiern die richtig! In manchen Stadtvierteln ist es sogar so schlimm, dass man nicht mehr auf die Straße gehen kann: Matsch- bzw. Farbbomben werden geworfen, ganze Menschenmassen verschwinden im Schaum, den es überall in Sprühdosen zu kaufen gibt und Seile werden gespannt um die Autos aufzuhalten und Geld zu verlangen. Das kann richtig gefährlich werden, besonders wenn  Alkohol im Spiel ist. Ich habe einen Mann gesehen, der eine Platzwunde am Kopf hatte. Aber es gibt auch schöne Seiten der Fiestas: die Wahl der „Miss Cartagena“, Livemusik von den hier bekannten Künstlern usw. Doch das alles habe ich nur vereinzelt über Fernsehen mitbekommen, denn ich war währenddessen in Santa Marta und im Tayrona Park. In Santa Marta durften wir bei einer Freundin von meiner Zimmerkollegin übernachten. Das war richtig nett von ihr, dass sie uns so spontan ein Zimmer zur Verfügung gestellt hat. Was ich hierbei erwähnen muss: Die Hinfahrt war in einem Kleinbus (ca. 20 Personen) mit Klimaanlage, 4 Stunden Fahrt mit etlichen  Kinder und nichts anderes als ein grausamer Horrorthriller („HISSS“) wird in den DVD Player gelegt!  Ich habe versucht aus dem Fenster zu schauen und die schöne Landschaft zu genießen, aber mit den Geräuschen eines Horrorthrillers im Hintergrund geht das nicht so gut! Wir sind dann am nächsten Tag in Santa Marta  an den schönen, aber überfüllten Strand von „Rodadero“ gegangen und haben uns einen kleinen Teil der Stadt angeschaut, die von Bergen umgeben ist. Die Tage darauf waren wir im Tayrona Park, einem Naturpark an der Küste. Ich habe bisher noch keinen so wundervollen Ort gesehen, für mich das Paradies: weiße Sandstrände, goldfunkelnder Sand, dichter Urwald, massenweise Palmen, Kokosnüsse, das Gefühl von Weite und Freiheit! Mit Worten ist das nicht zu beschreiben, am besten seht ihr euch die Bilder an. Mit einem Wanderrucksack auf den Schultern, sind wir ca. 3 Stunden durch den Dschungel gelaufen, es war sehr schwül und als wir an unserem Übernachtungsort, einem Campingplatz angekommen sind, war die Kleidung komplett nassgeschwitzt. Den Tag über haben wir  am Strand verbracht: zwei Buchten und in der Mitte eine kleine Minihalbinsel, auf der man in Hängematten übernachten konnte. Leider waren die schon alle belegt und so haben wir in einem Hängemattenmassenlager auf dem Campingplatz geschlafen. Ich habe die Hängematten gezählt: 44 Stück, glücklicherweise waren nicht alle belegt - der eine „Schnarcher“ hat mir schon gereicht! Dort ist mein Gefühl von Privatsphäre endgültig vernichtet worden: Hängematte an Hängematte, diese haben zwar ein Netz gegen Moskitos, aber trotzdem kann dich jeder sehen und als ich dann duschen gegangen bin, waren das 4 offene „Duschen“ für den kompletten Campingplatz ohne Vorhang und ohne Geschlechtertrennung und der provisorische morsche Zaun davor, hatte nur noch wenige Holzlatten. Also hatte man beim Duschen die Wahl, ob man seinem Nachbarn oder den Pferden beim Fressen zusehen mochte. Aber dafür, dass es Mitten im Urwald war, darf man sich nicht beschweren! Am nächsten Tag haben wir uns wieder an den Strand gelegt und einfach nur die Zeit genossen. Den Rückweg sind wir zur Hälfte zu Fuß und die andere Hälfte sind wir auf Pferden zurückgeritten. Ich glaube, dass mein Pferd eine Selbstbewusstseinsstörung hat, es wollte immer als Erster laufen, aber es hat ständig angehalten und gefressen, was auch kein Wunder ist, denn die Pferde sind ziemlich abgemagert. Doch wenn ein anderes Pferd es überholt hat, ist es losgerannt um wieder Erster zu sein. Durch den Dschungel zu reiten, ist eher ein Abenteuer ins Ungewisse als das es großen Spaß macht. Vor allem weil ich auch keine Erfahrungen mit Reiten habe! Die felsigen, schmalen, steilen Pfade waren teilweise so sehr vermatscht vom nächtlichen Regen, dass die Pferde darin richtig eingesunken sind. Und auf einer Strecke, die einer Felsspalte ähnelte, sind uns dann Einheimische auf Pferden entgegengekommen, die wiederum Herden von Pferden durch den Dschungel getrieben haben. Da bekam ich schon ein bisschen Angst als die mir entgegengerannt kamen und ich war froh, dass mein Pferd ruhig geblieben ist! Den Tayrona Park kann ich nur weiterempfehlen. Wenn ihr die Möglichkeit habt, je nach Kolumbien zu kommen, dann besucht diesen Naturpark!

Ihr wundert euch vielleicht, dass ich so wenig über meine Arbeit schreibe! Aber es gibt nicht viel Neues was ich euch darüber erzählen könnte. Die Dekoration ist weiterhin meine Hauptaufgabe und es macht mir mittlerweile Spaß. Spaß ist ja auch immer eine Einstellunssache! Ich bastle mittlerweile sogar schon die Deko für das nächste Jahr. Mein Spanisch ist auch schon viel besser geworden und so werden wir nach und nach andere Aufgaben übertragen. Gestern waren wir wieder die Kinder im Armenviertel besuchen. Da gab es eine Situation, da dachte ich mir: „Das ist der Inbegriff vom Teilen und man haben die Kinder viele Abwehrkräfte!“ Ein kleiner Junge packte ein Bonbon aus, auf dem Boden im Dreck saß ein kleiner Babyhund, der Junge ließ zuerst den Hund an seinem Bonbon lecken, bevor er es sich selbst in den Mund steckte! Wahrscheinlich hat der Hund Würmer, der ernährt sich ja auch nur von dem Dreck der Straße. Ich fand das zwar irgendwie süß von dem Jungen, aber auch echt eklig! Am Sonntag machen wir in dieser Straße eine große Müllsammelaktion. Bei dem ganzen Dreck ist das auch wirklich nötig! Ich hoffe, dass ich dann ein paar Bilder machen kann.