Montag, 31. Oktober 2011

Von einem Schlammvulkan, einen Rockstar, ein Fall für die Gesundheitsbehörde und Marihuana Geruch

Die Zeit rennt und ich kann nicht glauben, dass ich schon ganze zwei Monate hier bin! Nun wird es mal wieder Zeit, dass ich euch mitteile was ich die letzten Wochen erlebt habe.

Zu meiner Freude durfte ich eine Klospülung reparieren. Glücklicherweise sind die Toiletten nicht wirklich kompliziert gebaut J

Zurzeit haben wir Regenzeit. Vielen Menschen in Kolumbien geht es deshalb richtig dreckig. Überschwemmte Häuser, die Straßen gleichen Flüssen und teilweise gab es tagelang keinen Strom und kein fließend Wasser. Unsere Köchin lebt in einem sehr armen Stadtteil, ihre Wohnung stand bis zu den Knien unter Wasser und ein Fisch schwamm sogar in ihrem Zimmer herum! Wir sind vergleichsweise ganz gut davongekommen: 2 Tage lang kein Wasser, jedoch mit Unterbrechung, sodass ich das Glück hatte, morgens wieder duschen zu können (nach einem abendlichen Strandbesuch und einer Nacht in einem Bett voller Sand)! Kurz nach dem Wasserausfall hat sich dann der Strom verabschiedet. Mitten in der Nacht sind zwei Generatoren der Stromversorgung mit einem superlauten Knall explodiert. Aber anscheinend kommt das hier öfters vor, sodass das Problem am Nachmittag wieder behoben war. Im Moment funktioniert wieder alles! Den zwei Freiwilligen im Colegio ging es da um einiges schlechter: Die mussten mit Regenwasser abspülen und kochen!

Wir hatten Letzt einen Feiertag und diesen Tag habe ich genutzt die Umgebung besser kennenzulernen. Mit meiner Zimmerkollegin bin ich zu einem Schlammvulkan gefahren. Schon allein die Hinfahrt war ein kleines Abenteuer. Zuerst mit einem Taxi zum Terminal, von dort aus mit einem alten Bus (der kurz zuvor noch repariert wurde) in irgendein Dorf und dort haben wir uns dann Motos genommen und mit denen sind wir durch den Busch Kolumbiens gefahren auf vermatschten Straßen und unpassierbaren Wegen. Aber wir kamen tatsächlich an: Ein Vulkan oder besser gesagt ein Schlammbecken mit Menschen, die bis zur Unkenntlichkeit mit Matsch bedeckt waren. Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen und bin auch hereinreingestiegen. Ein Gefühl von Schwerelosigkeit! Es gibt keinen Boden und man kann sich kaum bewegen. Der Schlamm soll gut für die Haut sein, manche Menschen fahren dort extra hin um sich den Matsch in gebrauchten Plastikflaschen zu kaufen. Nach dem Matschabenteuer muss man den Vulkan wieder heruntersteigen (die Treppen sind wirklich sehr glitschig) und zu einem Fluss laufen. Das kostet Anstrengung und ich konnte gar nichts dagegen unternehmen als mich plötzlich eine Frau mit sich in den Fluss gezerrt hat und mich gewaschen hat! Die hatte mich noch nicht einmal gefragt, da steckte sie mir schon ihre Finger in die Ohren und zog mein Oberteil aus! Dass mir das unangenehm war, brauche ich glaub nicht zu sagen. Durch solche Grobheiten verdient sie ihr Geld, soll ihr gegönnt sein!

Dann waren wir vor ein paar Tagen in einem indischen Restaurant oder besser gesagt in einem Hinterhof, der wunderschön indisch geschmückt war, in dem wir aber die einzigen Gäste waren. Dort wollten wir einen Geburtstag feiern, doch die anderen ließen ca. 2 Stunden auf sich warten und so kam es, dass ich dringend eine Toilette benötigte. Also bin ich an die Theke und meinte auf Spanisch: „Tengo un pregunta…“ Ein Mann verbesserte mich: „Tengo una pregunta!“ (Ich habe eine Frage!) Er merkte sofort, dass ich keine Kolumbianerin war und fragte mich woher ich denn kommen würde. „Aus Deutschland!“ Er: „Dann können wir ja auch auf Deutsch reden!“ Es stellte sich heraus, dass er aus Aschaffenburg kommt (das liegt ca. 15 km von meinem Heimatort entfernt) und der Gitarrist von „People“ (ich kenne die Band ehrlich gesagt nicht) und ein Freund von den „Skorpions“ ist, mit denen er auch schon öfters auf Tour war! Momentan macht er in Cartagena Urlaub, wird aber bald mit einer bekannten kolumbianischen Band in Bogota touren. Er hat uns sogar seine selbstdesignte Gitarre gezeigt und uns einen Einblick in sein aufregendes  Leben gegeben. Wir haben ihm dann wiederum erklärt was „weltwärts“ ist und was wir hier machen. So ein bisschen selbst von sich überzeugt war der Mann ja schon, wenn er so nebenbei von seinen Erste-Klasse-Flügen erzählte. Ich musste währenddessen an das viele Essen denken, das ich mir von dem Geld kaufen würde. Später hab ich ihn dann mal gegoogelt -vielleicht hat er ein bisschen übertrieben- aber im Großen und Ganzen hat das gestimmt was er uns erzählt hat. Wann trifft man schon mal ganz zufällig so jemanden in einem indischem Restaurant in Kolumbien?

Was ich so gut wie jeden zweiten Morgen beim Putzen beobachte und bei uns in Deutschland ein Fall für die Gesundheitsbehörde wäre: Da läuft ein Mann durch unsere Straße mit einer großen Metallschüssel auf dem Kopf, in der roher Fisch gestapelt ist (da frage ich mich schon mal wie er das überhaupt tragen kann) und schreit: „Pescado!“ (Fisch), damit auch jeder weiß, dass er Fische anbietet. Ab und zu hat er Glück und unsere Nachbarin kommt heraus und kauft doch tatsächlich einen von diesen Fischen, die schon den ganzen Morgen roh in der heißen Sonne schmorren. Dann nimmt er ein Stück Zeitung oder Pappe, breitet dies auf dem dreckig verstaubten Bürgersteig aus und schneidet dort seinen Fisch zurecht. Manchmal fährt währenddessen noch ein Bus oder ein Auto vorbei, sodass noch mehr Staub aufgewirbelt wird. Meiner Nachbarin wünsche ich: Guten Appetit! Aber ich hoffe, dass sie es ihren Hunden zu essen gibt, die bellen nämlich so gut wie jede Nacht. Da gab es schon mächtig Ärger. Vor allem meine Zimmernachbarin kann bei dem Hundegebell nicht schlafen. Es kam sogar schon so weit, dass sie Mitten in der Nacht unsere Nachbarin zweimal aus dem Bett geklingelt hat. Die fand das gar nicht lustig und hat dann wiederum meine Leiterin aus dem Bett geklingelt um ihr zu sagen, dass sie aus dem Bett geklingelt wurde! Da noch eine andere Frau mit meiner Leiterin im Zimmer schläft, ist sie natürlich auch aufgewacht. Ich dagegen habe das Ganze nur  im Halbschlaf mitbekommen. Aber das ist bei uns momentan wirklich ein großes Problem. Wir haben uns schon die kuriosesten Geschichten ausgedacht, wie man die Hunde ruhig stellen könnte. Zum Beispiel haben wir auf der anderen Seite eine Autowerkstatt angrenzend. Vor einigen Tagen kam aus der Richtung Marihuana Geruch zu uns herübergezogen. (Ich persönlich habe es noch nicht einmal gerochen, da ich nicht weiß wie so etwas riecht.) Als wir dann geschaut haben, saß dort aber nur der Security Mann. Wir hoffen inständig, dass er es nicht ist dem dieser Geruch zuzuschreiben ist, denn er bewacht ja sozusagen die Autowerkstatt und wenn er nicht mehr dazu im Stande ist, dann könnten irgendwelche bösen Menschen über das Dach zu uns herüber klettern. Aber ich kann mir das nicht vorstellen, dass er so etwas machen würde. Das kam sicherlich von dem dahinterliegendem Viertel, dort sollten die Hunde ab und zu mal hingeschickt werden!

Dann habe ich noch eine interessante Begegnung mit einer dicken Kakerlake in unserer Küche gemacht. Ich wollte gerade ins Bett gehen und da saß sie auf der Küchenplatte. Ich habe erst einmal herumgeschrien -an den Anblick habe ich mich noch nicht gewöhnt- und dann versucht sie mit einem Besen herunterzukehren, damit ich sie anschließend tot hauen kann. Aber sie hat sich unter dem Mixer versteckt und dann ist sie in der Wand verschwunden! Diese Viecher sind aber auch schnell. Ich hoffe, dass wir in dem Loch in der Wand kein Kakerlaken Nest haben!

Und zu guter Letzt noch etwas zu meinem Fuß: Ich war mit meiner Mentorin, die mir auf Deutsch übersetzt hat, noch einmal bei der Ärztin und diese meinte, dass diese „Kugel“ in meinem Fuß wohl mehr aus Knochen als aus Calcium besteht. Diesen Knochensplitter habe ich aber anscheinend schon länger und der wurde nur zufällig beim Röntgen entdeckt. Der Sturz und der Splitter sind also zwei unterschiedliche Dinge. Und da die Schwellung (vom Sturz) abgeheilt ist und ich nur noch den Splitter habe, ist es in nächster Zeit (also in Kolumbien) nicht nötig zu operieren (es seitdem es würde sich plötzlich verschlechtern). Ich kann ganz normal gehen und wenn ich springen und rennen vermeide, wird wohl alles gut gehen! Für mich steht diese Sache auch nicht mehr im Vordergrund und ich denke auch kaum mehr daran. Mir geht’s gut und wer weiß was ich aus dieser Sache alles lerne!?

Samstag, 15. Oktober 2011

Vom Putzdienst, einem Kinobesuch & meiner Diagnose

Jeden Monat tauschen wir unseren Putzdienst. Im Oktober bin ich für den Vorhof zuständig. Dort steht ein wunderschön gelb blühender Baum und wenn ich Glück habe -was in letzter Zeit ziemlich oft vorkommt- dann sehe ich Kolibris, die ihre morgendlichen Runden drehen. Diese kleinen flatternden Vögel sind wunderschön und sind ab sofort meine neuen Lieblingsvögel! Wenn ich jeden Morgen halb verschlafen in der knallenden Sonne meinen Besen schwinge, kommt ab und zu die Nachbarin heraus und hält ein Schwätzchen mit mir- auch wenn ich nur die Hälfte davon verstehe. Heute lief sie vorbei und grüßte mich mit: „Buenos dias, mi amor!“ („Guten Tag, meine Liebe!“). Dann kam eine Frau, die ich noch nie gesehen habe und sprach mich sogar mit Namen an. Keine Ahnung woher sie den kannte! Mit meinem Namen ist das hier sowieso ein Ding für sich. Da das J als H ausgesprochen wird, heiße ich Hulia. Aber wenn man das jemanden sagt, dann fangen die an zu kichern. Ich glaube der Name ist etwas veraltet, wie bei uns Gudrun oder Hiltraud (nichts gegen eure Namen!).  Also stelle ich mich inzwischen als Chulia vor!
Am letzten Sonntag hatte Anka Geburtstag. Sie ist auch eine Freiwillige aus Deutschland und arbeitet in einer Schule. Wir haben sie überrascht mit leckerem Essen und es gab ganz spontan einen Kinobesuch im Caribe Plaza, einem großen Einkaufszentrum in der Nähe. Wir sind auf gut Glück in den erstbesten Film hineingegangen: „Real Steel“. Ein Film mit Hugh Jackman, in dem Roboter gegeneinander kämpfen. Genau das Richtige für einen Mädelsnachmittag! Aber zu meiner Überraschung war der Film recht gut.  Und was ich noch erwähnen muss: Umgerechnet hat der Film weniger als 4 Euro gekostet! Die Sitze waren bequem, es war sauber und es gab eine Klimaanlage. Jedoch haben sie es damit heftig übertrieben. Ich habe in Kolumbien noch nie so gefroren wie in diesem Kino. Das nächste Mal werde ich mir einen Pulli mitnehmen!
Letzt war ich bei der Tienda um die Ecke. Von dort aus kann man auf andere Handys anrufen. Also habe ich dem Mann mein Handy gegeben, damit er die Nummer abtippen kann. Und ich habe mich noch gewundert, warum er auf meinem Handy herumtippt! Als er es mir wiedergegeben hat, war er tatsächlich so dreist und hat meine Nachrichten geöffnet und sie gelesen! Der Mann hat noch nicht einmal versucht sein Tun zu vertuschen, sondern hat mir das Handy mit der geöffneten Nachricht wieder zurückgegeben! Das fand ich ziemlich unverschämt! Ich glaube von „Briefgeheimnis“ haben sie hier noch nicht so viel gehört. Aber ich habe was daraus gelernt: Zettel mit Nummern mitnehmen oder die Nummer eben selbst eintippen.
Nach vier Arztbesuchen bei drei verschiedenen Ärzten, einen Ultraschall und nachdem ich geröntgt wurde, steht endlich (nach drei Wochen) fest was mit meinem Fuß los ist. Die gute Nachricht: Nicht wie zuerst vermutet ein angebrochener Knochen und auch kein Bänderriss! Sondern, und jetzt kommt die schlechte Nachricht: ein Stück Calcium hat sich von meinem Knochen gelöst - mit Bindegewebe kommt es auf die Größe einer Murmel- und als ich gefallen bin, hat sich diese Verkalkung zwischen meinen Knochen und meinen Bändern geschoben! Immer wenn ich laufe, drückt das jetzt gegen mein Bein und tut mal mehr, mal weniger weh. Mir wurde deshalb empfohlen mich operieren zu lassen. Obwohl es wirklich sehr gute Ärzte gibt und viele Menschen hierher in den Urlaub fahren um sich unters Messer legen zu lassen, werde ich wohl noch ein ganzes Jahr damit warten müssen und mich erst in Deutschland operieren lassen. Der Hauptgrund ist, dass die „Nachsorge“, wie eine Physiotherapie in Cartagena sehr beschränkt ist. Ich bin auf jeden Fall froh, dass ich nun weiß was ich habe- auch wenn das für mich erst einmal ein Schock war- und ich hoffe, dass es nicht schlimmer wird. Solange versuche ich es so gut wie es geht es zu ignorieren. Gestern bin ich dem Jungen begegnet, dem ich das zu verdanken habe. Aber ich bin wirklich nicht sauer auf ihn. Solche Dinge passieren -warum auch immer-, aber das ist noch lange kein Grund nachtragend zu sein. Ich glaube, dass Kolumbianer sehr schuldbewusste Menschen sind. Als er vor mir stand und erfahren hat was Sache ist, hat er mich tausend Mal um Verzeihung gebeten und er hat sogar angefangen zu weinen! Ich wusste gar nicht, wie ich darauf reagieren sollte. So etwas ist mir noch nie passiert, dass ein junger Mann -Mitte Zwanzig- vor mir steht und wegen mir weint! Ich habe ihn dann in den Arm genommen und versucht ihm klarzumachen, dass es in Ordnung ist! Ich hoffe, dass er es verstanden hat…sein Englisch ist so gut wie mein Spanisch.  
So wie es aussieht werde ich demnächst zwei Studenten Deutschunterricht geben (einmal pro Woche). Sie haben vor nach Deutschland zu gehen und ich bin schon sehr gespannt, wie ich mich als „Lehrerin“ anstelle. Vor allem ist Deutsch auch keine Sprache, die man mal so einfach lernt! Unabhängig davon werde ich Spanischunterricht bekommen von einer anderen jungen Frau, die deutsch studiert hat. Ich finde es echt schön, dass man sich hier gegenseitig hilft, natürlich kostenlos. Alles läuft über Beziehungen und Kontakte und langsam verstehe ich auch warum die Menschen so viel und gerne reden! Diese Beziehungen müssen ja gepflegt werden. Das mit den kostenlosen Dingen gilt nicht nur bei Leuten, die man persönlich kennt, sondern auch für Bekannte von Bekannten. So zum Beispiel bei zwei der drei Ärzte. Obwohl das Wartezimmer restlos überfüllt war, durfte ich ohne Wartezeit ins Behandlungszimmer durchgehen und musste noch nicht einmal etwas fürs Röntgen bezahlen! Als Ausländer habe ich eben einen speziellen „Status“, auch wenn mir das nicht immer ganz recht ist. Wenn ich Kolumbianer wäre, wäre ich auf jeden Fall sauer, wenn da so ne Deutsche ins Wartezimmer hereinspazieren würde und sich einfach vor mich drängeln würde! Aber andere Kultur, andere Sitten! Mir gefällt´s!

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Vom Arztbesuch, salzigem Popcorn und einem wunderschönen Abend am Strand

Gestern war ich endlich bei einer Ärztin, die sich meinen Fuß richtig angeschaut hat. Glücklicherweise ist sie eine Freundin von unserer Station, so kam ich sofort dran und musste auch nichts bezahlen. Sie hat herausgefunden, dass einige meiner Bänder gerissen sind und deshalb hat sie mich zum Ultraschall weiterempfohlen. Die Frau hat meinen Fuß hin- und her gebogen und gefragt, ob mir das wehtun würde. An einer Stelle tat es verdammt weh. Ich habe das Gefühl, dass durch sie noch ein paar Bänder mehr gerissen sind! In einer Ecke ihres Zimmers habe ich dann eine Waage entdeckt, von der ich gleich Gebrauch gemacht habe (dort wo ich wohne, haben wir so etwas nicht). Und wenn man ihrer Waage Glauben schenken mag- was ich aber nicht tue- habe ich in einem Monat 2,5 kg abgenommen! Bei dem fettigen Essen kann ich mir das aber wirklich nicht vorstellen. Vielleicht liegt es an der nichtvorhandenen Schokolade, die ich vermisse. Also wenn ihr mir mal eine Freude machen wollt, wisst ihr jetzt Bescheid!

Nach dem Arztbesuch gab es einen DVD Abend bei JUCUM. Leider habe ich von dem Film nicht allzu viel verstanden, weil er auf Spanisch war. Aber die Atmosphäre hat mir gefallen. Wir saßen draußen unter dem Sternenhimmel- von den Moskitos mal abgesehen- und es gab Popcorn zu essen. Allerdings essen die hier salziges Popcorn. Ich habe darüber nachgedacht warum und ich bin zu dem Ergebnis gekommen, dass sie damit ihren „Salzhaushalt“ ausgleichen- bei dem Wetter und dem Schweiß kann ich das auch nachvollziehen. Ich habe mich mittlerweile auch daran gewöhnt bei jeder Begrüßung eine klebrige verschwitzte Backe an meiner Wange kleben zu haben. Was tut man nicht alles um dazuzugehören?

Ich habe auch erfreuliche Nachrichten: eine neue Arbeit, die ich zusätzlich zur Dekoration machen darf. Im Refugio wird Hausaufgabenhilfe angeboten und danach spiele ich jetzt ab sofort mit den Kindern ein Spiel. Das fällt mir noch etwas schwer, weil ich die Sprache noch nicht beherrsche, aber für mich ist es eine gute Abwechslung von dem bunten Bastelalltag. Wobei ich gemerkt habe, dass alles auf den Blickwinkel ankommt. Ich hätte nämlich keine Lust jeden Morgen und jeden Nachmittag Kindern, die keine Erziehung genossen haben, nur Quatsch im Kopf haben, sich schlagen, wegrennen oder herumschreien, Nachhilfeunterricht zu geben und das bei der Hitze! Wenn man es so sieht macht mir das Basteln mittlerweile sogar richtig Spaß und ich habe für dieses Trimester, das noch 6 Wochen lang geht, bereits vorgebastelt. Ich habe auch eine andere Einstellung dazu bekommen, dass ich alleine in einem Projekt bin. Ich lerne somit viel mehr Leute kennen, mit denen ich abends weggehen kann und die sich in Cartagena auskennen. So bin ich Letzt ganz spontan mit zwei Freunden ans Meer gegangen. Dieser Abend wurde zu einen meiner schönsten Abende überhaupt. Wir hatten den Strand für uns alleine. Im Hintergrund waren unzählige Hotels, deren tausend Lichter sich im Wasser gespiegelt haben. Umgeben von Palmen und Mondschein haben wir zu Salsa Musik getanzt, die aus irgendwelchen Lautsprecher tönte. Da wir keine Badeklamotten dabei hatten, sind wir eben mit Kleidung im warmen, klaren Wasser schwimmen gegangen. Wenn es dunkel ist, dann hat man das Gefühl vom Meer verschluckt zu werden, weil es endlos weit ist und einen wie eine schwarze Wand umgibt. Nach dem Planschen gab es dann noch eine schöne matschige Schlammschlacht. Ich hatte noch Stunden später Sand im Ohr! Ich bin dann mit einem Moto nach Hause gefahren. Leider sind die zu mir in letzter Zeit ziemlich aufdringlich und fragen Sachen, die sie nichts angehen. Das habe ich dann meinen zwei Freunden erzählt, die mir dann ein Moto besorgt haben. Was sie genau zu dem Mototyp gesagt haben, habe ich nicht verstanden, aber er hat während der Fahrt nicht mit mir geredet und nach der Fahrt hat er mich inständig darum gebeten meine Kumpels nicht anzurufen, weil er ja gut zu mir war und mich nicht belästigt hat! Der Mann hat mir fast schon ein bisschen leidgetan, der hatte richtig Angst. Ich habe mich später erkundigt was sie mit dem Mototyp gemacht haben: Name und Kennzeichen aufgeschrieben! Das sollten sie öfters machen.

Donnerstag, 29. September 2011

Vom Wasserausfall, einem Elternabend und lockeren Bettbalken

Gestern hatten wir Wasserausfall und das am Mittag und am Abend. Ich war nach dem Tag total verschwitzt und wollte  mich so gerne bei der Hitze duschen oder mir wenigstens mal die Hände waschen. Zum Glück floss das Wasser nach 10 Stunden dann wieder. Eine gute Sache hat das Ganze allerdings doch: Wir sollten dankbar sein, dass es in Deutschland immer Wasser gibt- das ist nicht überall eine Selbstverständlichkeit!

Eine Maus hat vor 2 Tagen unseren Vorratsschrank geplündert, obwohl es da nicht viel zu holen gab. Glücklicherweise hat sie nicht mein Müsli gefunden J Hab ich euch eigentlich schon von den vielen Eidechsen erzählt, die hier überall die Wände entlangkrabbeln  oder von dem Kolibri, den ich heute Morgen direkt vor unserem Haus entdeckt habe? Kolumbien hat so eine große Artenvielfalt und man muss nur mal die Augen aufmachen und sieht die Schönheit der Natur. Wunderschön.

Als es Letzt wieder so stark geregnet hat, haben wir uns ein Taxi genommen und uns zu viert hinten reingequetscht. Die Straßen waren teilweise so überflutet, dass sich kleine Flüsse bzw. ganze Seen gebildet haben. Als wir dann durch so einen gefahren sind, ist das Auto darin so tief versunken, dass das dreckige Schlammwasser an den Seiten durch die Türen lief und wir sozusagen im Nassen saßen.  Ich fand das Ganze sehr amüsant.

Wir hatten am Dienstag Elternabend. Es kamen insgesamt 11 Teilnehmer und der Abend war wirklich lustig. Ab und zu hatte ich das Gefühl auf einem Kindergeburtstag zu sein -nur mit Erwachsenen eben. Pünktlichkeit kann man hier sowieso vergessen- die letzten kamen eine Stunde zu spät. Dass man sich gegenseitig zuhört, ist auch nicht selbstverständlich. Jedoch konnte ich verstehen, dass es viel zu erzählen gab. Immerhin gab es in ihrem Viertel „Loma Fresca“ eine Schießerei zwischen zwei Bandenmitgliedern. Soweit ich das verstanden habe, wurde einer jetzt aber festgenommen. Ist auch wirklich besser so. Einmal die Woche bin ich dort auch und in eine Schießerei will ich wirklich nicht geraten. Aber ich gehöre ja zu keiner Bande und deswegen fühle ich mich jetzt nicht bedroht. Also ihr braucht euch keine Sorgen zu machen! Nun gut- zurück zum Elternabend. Nach einem  Thema (ich glaube es ging um Ziele, die man sich setzen soll) wurden Spiele gespielt, wie „Reise nach Jerusalem“. Die waren so begeistert dabei, dass sie sich gegenseitig die Stühle weggezogen haben und die eine dann auf ihrem Hintern gelandet ist! Das muss man sich erst einmal vorstellen: Erwachsene tanzen um Stühle herum, schubsen sich gegenseitig und kämpfen um einen Platz!  Jetzt weiß ich auch warum die Kinder so sind, wie sie sind! Zwischendrin gab es kleine Snacks, wie Lutscher. Eine Frau steckte sich dann drei Lutscher in ihren Pferdezopf. Das macht man hier so. Meine Leiterin macht das täglich mit ihrem Kugelschreiber. Das Beste war aber das „Wichteln“. Für alle, die das Spiel nicht kennen: Man zieht einen anderen Namen und schenkt dieser Person eine Kleinigkeit.  Ich kannte dieses Spiel bisher immer nur so, dass der Name geheim bleibt- aber hier sind sie so neugierig, dass es öffentlich gesagt wird. Ich habe mich geärgert, dass ich eine Woche zuvor nicht mitgespielt hatte und nun auch kein Geschenk bekam. Aber als ich dann das Geschenk von meiner Leiterin gesehen habe, fand ich es nicht mehr ganz so schlimm! Sie hat doch tatsächlich eine Unterhose mit Affen drauf geschenkt bekommen (meine Leiterin ist 30 Jahre alt). Ich muss immer noch lachen, wenn ich daran denke. Wer verschenkt denn zum Wichteln Unterwäsche? Und das war kein Einzelfall, meine Zimmerkollegin durfte sich ebenfalls über Unterwäsche freuen.

Momentan haben wir Männerbesuch aus Hawaii. Rob, ein Mann von JUCUM, der gerade in Cartagena auf Zwischenreise ist, kam vor zwei Tagen an und wird für eine Woche lang unser Gast sein. Der macht einen ganz netten Eindruck und hat mir sogar schon geholfen die Dekoration aufzuhängen, weil das ja mit meinem Fuß momentan nicht so gut klappt.

Apropos mein Fuß. Dem geht es überraschend besser. Die letzten Tage habe ich mich ein bisschen geschont und ich kann wieder einigermaßen laufen. Ich glaube, dass das auch ein Übersetzungsfehler war. Ich mein, wie kann ein Fuß „angebrochen“ sein? Entweder ist etwas gebrochen oder nicht und bei mir war glücklicherweise nichts gebrochen, höchstens verstaucht. Was ich damit sagen will: Es geht wieder aufwärts! Obwohl mir gestern wieder etwas Neues zugestoßen ist. Ich saß mit einer Freundin im unteren Bett eines Hochbettes und wir haben ein bisschen geredet. Sie meinte noch so, dass sich am Morgen ein Brett vom Hochbett gelöst hat und dies dann heruntergefallen ist. Glücklicherweise hat in diesem Moment dort keiner gelegen. Kaum hatte sie das gesagt, fällt mir selbst ein Holzbalken aufs Gesicht! Da haben wir erst einmal gelacht. Aus einem mir unverständlichen Grund schrauben sie so etwas nicht fest. Aber die Verletzung ist nur halb so schlimm und man sieht auch gar nichts. Ich verstehe nur nicht warum ich mich in Kolumbien sooft verletze, noch nicht einmal ein Bett ist sicher!

Sonntag, 25. September 2011

Über Kinder, Kakerlaken und einen angebrochenen Fuß

Als wir das letzte Mal im Armenviertel Loma Fresca waren und dort Familien besucht haben, hat mich ein kleines Mädchen gefragt wie viele Kinder ich habe. Anfangs fand ich die Frage noch lustig, aber als ich wirklich darüber nachgedacht habe, wurde mir klar, dass die meisten in meinem Alter schon mehrere Kinder haben und damit eigentlich total überfordert sind. Wir haben eine Familie besucht und ich habe neun Kinder gezählt, das Jüngste war 15 Tage alt. Ich hoffe und glaube, dass darunter aber auch Nachbarskinder waren. Mit den Kindern habe ich spontan ein paar Abklatschspiele gespielt und die waren davon so begeistert, dass sich zwei gleich auf meinen Schoß gesetzt haben und  die anderen mir die Haare machen wollten. Wenn sich dort nur einer mal richtig mit den Kindern beschäftigen würde, dann wäre das ein guter Anfang. Aber wie will man sich um die eigenen Kinder kümmern, wenn man selbst fast noch ein Kind ist?

Am Samstagmorgen waren wir in Cartagena am Meer. Wenn ich früher gewusst hätte, dass es nur 20 Minuten Fußweg von meinem neuen zuhause entfernt liegt, dann wäre ich dort schon viel früher hingegangen. Zwar liegt es direkt an einer Hauptstraße und es gibt auch keinen wirklichen Strand. Außerdem ist es leider auch nicht ganz so sauber. Da kommt es schon mal vor, dass eine Chipstüte neben dir im Meer schwimmt oder ein Junge seinem verängstigtem Hund das Schwimmen beibringen will. Jedoch ist am Strand nichts los, das Meer ist endlos weit, warm und klar und ich habe 30 Pelikane gezählt, die dann über unseren Köpfen davongeflogen sind.

Am Freitag hatten wir Kinderprogramm. Einen Tag zuvor habe ich dort die Dekoration ausgewechselt und eine Kakerlake an der Decke entdeckt. Meine Zimmerkollegin hat dann irgendein Spray draufgesprüht und die Kakerlake lag dann am nächsten Tag tot auf dem Boden. Jedoch haben wir sie vergessen und das wurde mir beinahe zum Verhängnis. Nämlich genau in dieser Ecke stand ich 2 Stunden lang um auf die Kinder aufzupassen und direkt neben mir war die Kakerlake. Bei den Liedern hab ich natürlich mitgetanzt um als gutes Beispiel voranzugehen, beinahe wäre ich dabei auf die Kakerlake gesprungen und ich muss dazu sagen, dass ich keine Schuhe anhatte! Glücklicherweise wurde ich noch rechtzeitig gewarnt. Anstatt in die Kakerlake zu hüpfen, bin ich dann jedoch in eine Reißzwecke getreten. Und einen Tag später habe ich mit jemand „Beinstellen“ gespielt. Bei dem Spiel habe ich definitiv verloren und mir den Fuß 1. Grades angebrochen! Jetzt muss ich ihn ein und halb Wochen hochlegen. Das ist wirklich blöd gelaufen und ich glaube das wird eine schwere Zeit für mich nichts zu tun. Aber man kann es auch positiv sehen: Mir ist nicht mehr passiert!

Donnerstag, 22. September 2011

Über Moskitos, Regen, Motos und CHEPE


Heute habe ich meine Stiche gezählt und ich komme auf ganze 50 Stück! Wenn das so weitergeht, dann habe ich in 4 Wochen 200 davon, vorausgesetzt sie würden nicht wieder abheilen- was sie aber glücklicherweise doch tun. Meine Zimmerkollegin meinte, dass jetzt die Regenzeit anfängt und bis Dezember andauert. Deshalb habe ich den Kampf gegen die Moskitos begonnen und mir ein Netz übers Bett gehängt- was diese Nacht aber nicht viel gebracht hat, denn irgendwie ist trotzdem so ein Viech zu mir hereingekommen. Die sind schlauer als ich dachte!

Dass die Regenzeit anfängt haben wir heute zu spüren bekommen. Wir waren beim Spanischunterricht und plötzlich fing es heftig an zu donnern, zu blitzen und zu regnen. Da das mit der Kanalisation nicht so läuft wie in Deutschland, staut sich das Wasser auf den Straßen. Diese werden zu Flüssen und man hat kaum eine Chance gegen die Fontäne, die einen nassspritzt, wenn ein Auto vorbeifährt- und es fahren ganz schön viele Autos vorbei! Ich bin also die überschwemmten Gehwege entlang gesprungen mit meinen Halbschuhen -die jetzt durchnässt sind- und bin zufällig auf drei Jungs gestoßen, die ich kenne und die waren so nett und haben mich begleitet. Einer hat mich sogar über eine überschwemmte Straße getragen. Ich mein, wann wird man schon mal über die Straße getragen? Vielleicht hat der Regen ja doch was Gutes  an sich.

Gestern habe ich mir einen Ventilator für meinen Laptop gekauft, da mein Akku wegen der Hitze heiß läuft. Ein Kumpel hat mich begleitet und er meinte, dass er danach zu einem Treffen gehe und ich mitkommen könne. Ich dachte dies sei ein Treffen von JUCUM, aber der Bus hat dann irgendwo im Getümmel bei einem Basketballplatz gehalten auf dem provisorisch Plastikstühle aufgestellt waren. Es war bereits stockdunkel, ich hatte keine Ahnung wo wir waren, hielt einem Laptopventilator in der Hand und sämtliche Menschen starrten mich an, weil ich die einzige Weiße war. Als ich dann die vielen Plakate von einem gewissen CHEPE gesehen habe, wurde mir klar, dass wir auf einer politischen Veranstaltung gelandet waren. Momentan ist Wahlkampf in Cartagena, für was genau kandidiert wird, weiß ich allerdings nicht. Auf jeden Fall ertönte aus mehreren Lautsprechern eine unheimlich laute Musik –die Wahlkampfmusik von CHEPE-, die einen mit singender Stimme aufrief die Nr. 51 zu wählen. Warum haben unsere Politiker eigentlich keine Wahlkampflieder? CHEPE stand dann höchstpersönlich vor einem der Lautsprecher- ich weiß auch nicht wie er das ausgehalten hat- und hat eine kurze Rede gehalten, die ich allerdings nicht verstanden habe. Danach gab es dann 4 Kekse für jeden und etwas zu trinken. Ich fand die ganze Situation und wie das aufgezogen wurde sehr unterhaltsam. Mein Kumpel kennt jetzt ein neues Wort: „Bestechung!“, aber ich glaube die machen das alle hier. Für CHEPE hoffe ich, dass er gewählt wird, dann kann ich wenigstens sagen, dass ich schon eine bekannte Person in Cartagena getroffen habe!

Ich möchte euch auch gerne etwas über die „Llamada(Anruf-)“ Stände erzählen. An so gut wie jeder Ecke und in jeder Tienda (Kiosk) bieten Menschen ihre Handys zum Telefonieren an. Wenn man sich hier nämlich Guthaben auf das Handy lädt, hält das nur 3 Tage lang und verfällt danach. Deshalb macht das niemand. Ich finde die Idee ganz gut, verstehe aber nicht warum das Guthaben so schnell verfällt.

Wenn man von A nach B will, hat man verschiedene Möglichkeiten dort hinzukommen. Es fahren verschiedene Busse, Taxis, Motos und Colectivos. Es gibt aber keine Haltestellen. Man braucht sich einfach nur an die Straße zu stellen und zu warten. Vor Allem die Busse sind so schnell unterwegs, dass sie jedes Mal eine Vollbremsung hinlegen um dich mitzunehmen. Die Motos sind eine Mischung aus Mofa, Moped und Motorrad. Da muss man aufpassen, dass man sich nicht an dem heißen Auspuff an der Seite verbrennt. Eingefleischte Kolumbianer haben am rechten Bein eine Brandnarbe. Ich hoffe, dass mir das erspart bleibt. Wenn man Glück hat, bekommt man einen Helm mit Gurt und Windschutz angeboten und wenn man Pech hat, dann fällt dir der Helm während des Fahrens vom Kopf. Das ist mir glücklicherweise noch nicht passiert- aber ich bin ja auch erst seit knapp 3 Wochen hier. Selbst die Motofahrer ziehen ihre Helme nicht richtig auf. Ich kann das gar nicht richtig beschreiben. Entweder haben sie noch eine Kappe drunter oder ziehen den Helm wie eine Kappe auf, also so dass das Gesicht komplett frei ist. Das ist eine Kunst für sich.

Montag, 19. September 2011

Nachdem mich aufmerksame Blogleser darauf hingewiesen haben, dass ich schon seit einigen Tagen nichts mehr gepostet habe, erbarme ich mich eurer und erzähle euch was in den letzten Tagen bei mir alles passiert ist und glaubt mir: Es ist viel passiert.



Zu Allererst will ich euch mal meinen Tag beschreiben. Ich stehe spätestens um 7 Uhr auf, wenn ich ins Fitnessstudio gehe- was ich bisher dreimal getan habe- dann schon um 5:10 Uhr. Dann geht es erst einmal den Hof kehren und nass putzen, wobei der Wischmob dreckiger ist als der Boden selbst. Dann zauber ich mir schnell was aus dem Kühlschrank. Jeder isst für sich und muss schauen was er abbekommt. Wir haben zwar einen Standartvorrat, der beschränkt sich aber auf eine Liste am Kühlschrank auf der genau steht was jeder essen darf und ehrlich gesagt kenne ich die meisten Wörter noch nicht bzw. kann mir die Sachen nicht zubereiten, weil ich sie nicht kenne. Deshalb habe ich mir in letzter Zeit mein Frühstück und Abendessen selbst gekauft, was mit der Zeit ganz schön ans Geld geht. Aber an einem Abend habe ich mir sogar selbst etwas gekocht. Jedoch ist kurz davor der Strom ausgefallen und der oberste Hamburger im Dreierpack war verschimmelt. Ich hab dann den untersten gegessen, was ich niemanden empfehlen würde! Aber ich lerne dazu…
Von 8-9 Uhr haben wir dann ein Meeting, in dem wir die Woche besprechen und ein bisschen reden. Danach geht’s ans Arbeiten. Mir wurden jetzt auch meine Aufgaben zugeteilt. Ich bin für die Gastfreundschaft zuständig. Das heißt, wenn hier Leute übernachten, dann mache ich alles schön, hole eine Matratze, überziehe das Bett usw. Und wenn sie wieder gehen, dann muss alles gewaschen und geputzt werden. Sonst bin ich auch für das Bodega zuständig, das ist ein Raum in dem sämtliche Sachen aufbewahrt werden und den soll ich sauber und ordentlich halten. Meine Hauptaufgabe ist jedoch die Dekoration! Darauf wird ganz besonderer Wert gelegt. Freitags haben wir Kinderprogramm und es gibt dazu ein Thema z.B. Freundschaft, Frieden, Geduld oder Freundlichkeit. Aber ich finde die Begriffe so abstrakt, dass ich nicht weiß was ich basteln soll…oder hat vielleicht von euch jemand eine Idee wie man Selbstbeherrschung oder Besonnenheit in Bilder fassen kann!? Mittags kocht dann Senora Esther für uns. Das Essen ist lecker, aber sehr fettig und besteht jeden Tag aus Reis mit Beilage. Von 12-13 Uhr haben wir Mittagspause, bis um 17 Uhr wird dann weitergearbeitet. Also wieder basteln und einmal die Woche gehen wir auch die Kinder in Loma Fresca besuchen. Das ist eine Abwechslung für mich. Abends bin ich meist kaputt vom Tag. Ich hätte niemals gedacht, dass Basteln so anstrengend sein kann. Aber das liegt sicherlich auch an der Hitze und meinen neuen Freunden, die ich -um ehrlich zu sein- gar nicht mag. Die haben es nämlich voll auf meine Beine abgesehen und zerstechen die jeden Tag aufs Neue.

Larissa, die einzige Deutsche, ist gestern nach Hause geflogen und ich war wirklich traurig. Ich hoffe, dass ich jemand anderen finde mit dem ich abends in die Stadt gehen kann, denn die Frauen, mit denen ich wohne, sind schon solange hier, dass sie darauf keine Lust mehr haben und alleine gehen ist zu gefährlich. So kam Letzt Larissa nach Hause und wurde in unserem Stadtteil überfallen und das alles drei Tage vor ihrer Abreise! Zu zweit kamen sie mit dem Moto, einer ist abgesprungen, hat die Tasche geschnappt und dann waren sie auch schon wieder weg. Das passiert öfters hier. Ich bin gespannt wann es bei mir soweit ist.

Vor einigen Tagen gab es direkt vor unserer Tür einen Unfall. Ein Moto und ein Bus sind zusammengefahren. Das Moto lag unter dem Bus und der Fahrer drei Meter davor und hat sich nicht mehr bewegt. Die halbe Nachbarschaft kam und hat sich das „Spektakel“ angeschaut, jedoch standen sie alle nur um den armen Motofahrer herum und haben tatsächlich angefangen zu beten! Das hat mich stark gewundert, aber keiner konnte Erste Hilfe leisten! Doch meine Zimmernachbarin aus England ist ihm dann zur Hilfe geeilt. Meine Leiterin hat den Krankenwagen gerufen, jedoch ging da nur das Band dran. Gut zu wissen was passiert, wenn der Ernstfall eintritt! Doch anscheinend hat jemand das Band abgehört, denn nach einer viertel Stunde kam dann tatsächlich eine Ambulancia und hat den Motofahrer mitgenommen, der echt Glück gehabt hat und sich nur ein Bein gebrochen hat.


Dann war ich von Freitag auf Samstag auf der Insel in Boca Chica. Die Insel liegt direkt vor Cartagena und ist mit dem Motorboot zu erreichen. Die Fahrt dauert ca. 25 Minuten und ist spannend - wenn man hinten sitzt, ist die Chance sehr gering trocken zu bleiben. In Boca Chica gibt es ein Projekt, in dem drei Freiwillige von meiner Organisation für ein Jahr untergebracht sind. Mit den alten Freiwilligen haben wir uns dann am Strand getroffen- mein erster Strandbesuch in der Karibik- und haben uns ausgetauscht über das Jahr, unsere Erwartungen und Ängste. Der Strand ist wunderschön: umgeben von Palmen, blaues Wasser, keine Touristen, alte Gebäude und Einheimische, die ihre Siesta machen. Dort sind wir natürlich auch baden gegangen und das Wasser ist so warm, dass man sich dort eine halbe Stunde lang aufhalten kann. Jedoch hat auch alles seine Schattenseiten. Die Insel ist total verdreckt. Die Menschen leben in verfallenen Hütten und es gibt kein fließend Wasser- auch nicht in der Station. Und ehrlich gesagt ist mir niemals wirklich bewusst gewesen was es heißt kein fließend Wasser zu haben, bis ich dann duschen gegangen bin! Die Tagesration für jeden ist ein Eimer Wasser. Zum Duschen nimmt man sich eine Schale und schüttet sie über sich, wobei ich mich danach immer noch dreckig gefühlt habe. Natürlich gibt es auch keine Klospülung, da nimmt man sich dann eine Schüssel Meerwasser mit aufs Klo und spült runter, wobei davon immer etwas auf dem Boden landet und das irgendwie eklig ist. Zwei von den Freiwilligen sind am Samstag dann auch ins Krankenhaus gekommen. Ich glaube, dass sie wieder draußen sind, aber ich habe leider noch nichts von ihnen gehört. Bitte versteht mich nicht falsch, die Station ist super. Es gibt morgens, mittags und abends Essen, die Betten sind total bequem – auch wenn wir uns zu 9. ein Zimmer geteilt haben- und die Gemeinschaft ist schön. Die Station ist wie eine kleine Oase in dem ganzen Dreck der Insel.  Aber ich bin trotzdem froh, dass ich im Refugio lebe.

Gestern waren Petra und ich eine Frau besuchen, die im 7. Stock eines Hotels wohnt. Die Wohnung mit Meerblick ist der Hammer und ich konnte gar nicht glauben, dass jemand soviel Geld hat um dort zu wohnen. Da sieht man mal wieder wie nah Reichtum und Armut beieinander liegen. Die Frau war so nett und hat uns Kleidung für die Kinder gespendet.